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Rückfall und MPU: Wie Sie ehrlich damit umgehen — und trotzdem bestehen

Es gibt einen Moment in der MPU-Vorbereitung, der für viele Menschen der schwierigste ist:

20. August 2026 5 Min LesezeitMPU Logik Redaktion

Es gibt einen Moment in der MPU-Vorbereitung, der für viele Menschen der schwierigste ist:

Den Rückfall zugeben müssen.

Nicht gegenüber dem Gutachter. Das kommt später. Erst mal gegenüber sich selbst.

Viele Bewerber haben in ihrer Abstinenzphase einen "Ausrutscher" gehabt — ein Glas auf der Hochzeit, einen Abend, den sie vergessen wollten. Und sie wollen diesen Moment nicht in das Gutachten tragen, weil sie Angst haben, dass er alles zerstört.

Manchmal zerstört tatsächlich etwas das Gutachten — aber meistens nicht der Rückfall selbst. Sondern der Umgang damit.

Was das BK5 zum Rückfall sagt

Das Kriterium A1.7 N der BK5 (2026) befasst sich explizit mit dem kurzfristigen Rückfall — und damit, unter welchen Bedingungen er im Gesamtbild tolerierbar ist und unter welchen nicht.

Die zentrale Aussage: Ein kurzer Rückfall führt nicht automatisch zu einem negativen Gutachten.

Entscheidend ist:

  • Wann hat der Rückfall stattgefunden?
  • Wie lange hat er gedauert?
  • Was ist danach passiert?
  • Wie wird er heute reflektiert?

Das BK5 (2026) hat zwei neue Kontraindikatoren in A1.7 N (3) aufgenommen, die klarstellen, wann ein Rückfall eben doch problematisch bewertet wird:

  1. Wenn er länger als eine kurze Rückfallphase war (der Begriff "kurz" ist bewusst offen — aber eine Woche ist anders als ein Wochenende)
  2. Wenn er verharmlosend oder nicht ausreichend reflektiert dargestellt wird

Das bedeutet im Umkehrschluss: Ein kurzer, klar begrenzter Rückfall, der transparent gemacht, ehrlich eingeordnet und produktiv verarbeitet wurde — kann im Gesamtbild bestehen.

A1.7 N: Verringerte Toleranz nach langer Abstinenz

Das BK5 (2026) hat im Kriterium A1.7 N auch einen wissenschaftlich wichtigen Hinweis ergänzt:

Nach einer längeren Abstinenzphase kann sich die Alkoholtoleranz verringern. Das bedeutet: Jemand, der früher bei zwei Gläsern keine sichtbare Beeinträchtigung zeigte, kann nach einem Jahr Abstinenz bei derselben Menge deutlich stärker reagieren.

Warum ist das relevant? Weil ein Rückfall-Trinken nach langer Abstinenz subjektiv "harmloser" wirken kann — "ich hab doch kaum was getrunken" —, während die biologische Wirkung stärker ist als erwartet.

Gutachter kennen dieses Phänomen. Wer einen Rückfall mit dem Argument relativiert, er habe ja nur wenig getrunken, muss damit rechnen, dass dieser Punkt aufgegriffen wird.

D1.6 N: Der "Ausrutscher" bei Drogenabhängigkeit

Für D-Hypothesen (Cannabis, Drogen) hat das BK5 (2026) neu eingeführt: D1.6 N — ein spezifisches Kriterium für den "Ausrutscher" in der Abstinenzphase.

Das Prinzip ist analog zu A1.7 N: Ein einmaliger Konsum in einer sonst stabilen Abstinenzphase ist nicht per se das Ende. Es kommt auf die Reflexion, die Transparenz und das Vorgehen danach an.

Die drei häufigsten Fehler beim Umgang mit einem Rückfall

Fehler 1: Verschweigen

Der verbreitetste Fehler. Jemand hatte einen Rückfall — und sagt: nichts. In der Hoffnung, dass es niemand merkt.

Das ist riskant. Denn: Rückfälle hinterlassen Spuren. In den Laborwerten (PEth, EtG, GGT), in der Haaranalyse, manchmal in der Akte durch einen anderen Vorfall.

Wenn der Gutachter den Rückfall aus den Laborbefunden ablesen kann — und die Person hat ihn verschwiegen — ist das kein Rückfall mehr. Das ist ein Widerspruch zur Aktenlage (0.3 N). Und der ist oft schwerer zu reparieren als der Rückfall selbst.

Fehler 2: Bagatellisieren

"Das war nichts. Ein Glas. Das zählt ja kaum."

Das BK5 nennt Verharmlosung als Kontraindikator in A1.7 N. Wer einen Rückfall kleinredet, signalisiert: Er hat die Bedeutung des Vorfalls nicht wirklich verstanden. Und damit zweifelt der Gutachter an der Qualität der Gesamtreflexion.

Ein Rückfall muss nicht dramatisiert werden. Aber er muss ernst genommen werden.

Fehler 3: Kein Nacharbeiten

"Es ist passiert. Ich habe danach sofort wieder aufgehört."

Das reicht nicht. Der Rückfall ist ein Ereignis — aber er ist auch Datenmaterial über die eigene Verletzlichkeit. Was war die Situation? Was hat den Rückfall ermöglicht? Was hat danach geholfen, wieder auf Kurs zu kommen?

Wer auf diese Fragen keine Antwort hat, zeigt: Der Rückfall wurde nicht verarbeitet. Er wurde beendet. Das ist nicht dasselbe.

Was Gutachter bei einem Rückfall positiv bewerten

1. Transparenz

Die Person hat den Rückfall aktiv angesprochen — nicht erst nach Nachfrage. Das signalisiert Ehrlichkeit und ein gesundes Verhältnis zur eigenen Geschichte.

2. Schnelle Reaktion

Der Rückfall war kurz. Die Person hat unmittelbar Gegenmaßnahmen ergriffen: Beratung aufgesucht, Abstinenzprogramm neu gestartet, Angehörige informiert.

3. Vertiefte Reflexion

Der Rückfall wird als Lernsignal genutzt: "Ich habe durch diesen Rückfall verstanden, dass Hochzeiten für mich eine besondere Risikosituation sind — weil dort die sozialen Erwartungen so stark sind. Das hat mein Rückfallpräventionskonzept verändert."

4. Angepasster Zeitplan

Nach einem Rückfall beginnt das Abstinenzprogramm neu. Das ist der korrekte Umgang — und Gutachter erwarten ihn.

Fallstudie: Franziska M., 42 Jahre, Lehrerin

Franziska hatte 11 Monate diszipliniert abstinent gelebt. Dann die Weihnachtsfeier ihres Kollegiums. Eine Situation, die sie unterschätzt hatte: die gesellige Runde, die Sektgläser auf dem Tisch, der Gruppentoast. Sie hatte getrunken — nicht viel, aber sie hatte getrunken.

In der Nacht danach hatte sie wach gelegen. Am nächsten Morgen hatte sie ihrem MPU-Berater geschrieben.

Was danach kam:

  • Sofortige PEth-Messung zur Dokumentation des Vorfalls
  • Neustart des Abstinenzkontrollprogramms
  • Ein Gespräch mit ihrer Therapeutin über die Risikosituation "soziale Erwartungen"
  • Ergänzung ihres Rückfallpräventionskonzepts um einen konkreten Plan für Feiern

Beim Gutachten — 9 Monate später — sprach Franziska den Rückfall von sich aus an. Der Gutachter fragte nach. Sie konnte alles erklären: was passiert war, warum, was danach, was sie gelernt hatte, wie ihr neuer Plan aussah.

Der Gutachter sah: Hier ist jemand, der mit einem Rückfall umgegangen ist wie ein Erwachsener. Nicht als Versagen, das verschwiegen wird. Als Teil einer echten, unvollkommenen Entwicklung.

Das Gutachten war positiv.

Was Sie jetzt tun sollten — wenn Sie einen Rückfall hatten

1. Messen Sie sofort — PEth, EtG — und dokumentieren Sie den Zeitpunkt

2. Starten Sie das Programm neu — der Rückfall setzt die Uhr zurück

3. Reflektieren Sie — schriftlich: Was war die Situation? Was hat den Rückfall ermöglicht? Was hätte helfen können?

4. Sprechen Sie es an — beim Gutachten, von sich aus, klar und ehrlich

Kein Rückfall ist angenehm zu kommunizieren. Aber kein Rückfall ist so schwer zu überstehen wie einer, der im falschen Moment herauskommt.

In der kostenlosen MPU Logik Simulation arbeiten wir daran, wie Sie einen Rückfall im Gespräch so darstellen, dass er Ihre Glaubwürdigkeit nicht zerstört — sondern möglicherweise sogar stärkt.

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