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Die medizinische Untersuchung bei der MPU: Was der Arzt wirklich prüft

Viele Menschen konzentrieren ihre MPU-Vorbereitung vollständig auf das psychologische Gespräch — und vergessen dabei, dass jede MPU auch eine medizinische Fahreignungsuntersuchung (MFU) umfasst.

29. Oktober 2026 4 Min LesezeitMPU Logik Redaktion

Viele Menschen konzentrieren ihre MPU-Vorbereitung vollständig auf das psychologische Gespräch — und vergessen dabei, dass jede MPU auch eine medizinische Fahreignungsuntersuchung (MFU) umfasst.

Der Arzt, der Sie an diesem Tag untersucht, ist kein Beiwerk. Er ist Teil des Begutachtungsteams. Sein Befund fließt in das Gesamtgutachten ein.

Dieser Artikel erklärt, was beim ärztlichen Teil der MPU wirklich passiert — und worauf Sie sich vorbereiten sollten.

Warum gibt es eine medizinische Untersuchung?

Fahreignung ist nicht nur eine psychologische Frage. Sie ist auch eine körperliche. Das Straßenverkehrsgesetz und die FeV verlangen, dass jemand körperlich in der Lage ist, ein Fahrzeug sicher zu führen.

Bei einer Alkohol- oder Drogen-MPU kommt eine spezifische medizinische Fragestellung hinzu: Zeigt der Körper Hinweise auf chronischen Substanzgebrauch? Stimmen die körperlichen Befunde mit den Angaben über Abstinenz überein?

Der Arzt ist damit eine Art "biologischer Zeuge" für die Aussagen, die die Person im psychologischen Gespräch macht.

Was bei der medizinischen Untersuchung durchgeführt wird

Anamnese

Der Arzt befragt Sie zu:

  • Ihrer Krankengeschichte
  • Aktuellen Medikamenten
  • Vorerkrankungen (insbesondere Leber, Herz-Kreislauf, Neurologie)
  • Dem Konsumverlauf — wann aufgehört, bisherige Verläufe

Diese Anamnese ist Teil der Untersuchung. Was Sie hier sagen, fließt in den medizinischen Befund ein — und wird mit den Laborwerten und dem psychologischen Gespräch abgeglichen. Widersprüche sind gefährlich.

Körperliche Untersuchung

Die MFU umfasst typischerweise:

Internistisch:

  • Blutdruckmessung (Hypertonie kann auf chronischen Alkoholkonsum hinweisen)
  • Herzauskultation
  • Abdomen-Untersuchung (Leber-, Milzgröße — Leberschäden durch Alkohol)
  • Allgemeinzustand, Ernährungszustand, Hautfarbe und -beschaffenheit

Neurologisch:

  • Reflexstatus
  • Koordination (Finger-Nase-Test, Seiltänzergang)
  • Zittern (Tremor — kann auf Alkohol-Entzug oder chronischen Konsum hinweisen)
  • Pupillen (Miosis bei Opioideinfluss, Mydriasis bei Stimulanzien)

Ophthalmologisch (Sehvermögen):

  • Sehschärfe
  • Gesichtsfeld
  • Reaktion auf Licht

Psychiatrisch-orientiert:

  • Allgemeiner psychischer Eindruck, Orientierung, Konzentration

Laborwerte am Tag des Gutachtens

An dem Tag selbst wird oft eine Blutprobe abgenommen. Das ist eine aktuelle Kontrollmessung — sie zeigt, was an diesem Tag im Blut ist.

Typische Werte am MPU-Tag:

  • PEth (aktuelle Abstinenzbestätigung)
  • CDT
  • GGT, GOT, GPT
  • Großes Blutbild (inkl. MCV, Thrombozyten)
  • Ggf. Urinstatus
  • Ggf. Drogenscreening (Urin)

Das ist wichtig zu verstehen: Diese Werte werden mit Ihrem mitgebrachten Kontrollprogramm verglichen. Wenn Ihre Laborwerte über Monate sauber waren, aber am MPU-Tag plötzlich auffällig sind — das ist eine deutliche Warnflagge.

Was der Arzt sucht — und was er sieht

Körperliche Zeichen chronischen Alkoholkonsums

Ein erfahrener Arzt erkennt körperliche Spuren langen Alkoholkonsums auch ohne Laborwerte:

  • Teleangiektasien (Äderchen im Gesicht, rote Nase): typisch bei chronischem Konsum
  • Tremor: Zittern der Hände — kann auf akuten Entzug oder chronischen Konsum hinweisen
  • Vergrößerte Leber oder Milz (tastbar bei starker Ausprägung)
  • Hypertonie: Blutdruckerhöhung als Folge chronischen Konsums
  • Allgemeiner Ernährungszustand: Mangelernährung bei schwerem Konsum
  • Hautzeichen: Gelbfärbung (Ikterus) bei Leberschaden, Spidernävi

Diese Befunde sind selten dramatisch. Aber sie werden notiert — und fließen in die Gesamtbewertung ein.

Konsistenzprüfung

Der Arzt prüft auch: Stimmen die Befunde mit dem, was die Person über sich erzählt hat, überein?

Wer behauptet, seit 18 Monaten abstinent zu sein, aber ein Blutbild hat, das noch stark erhöhten MCV zeigt und eine vergrößerte Leber — das erzeugt einen erklärungsbedürftigen Widerspruch.

Wie Sie sich auf die medizinische Untersuchung vorbereiten

1. Bringen Sie alle Laborbefunde aus dem Kontrollprogramm mit

Sortiert nach Datum, vollständig. Der Arzt wird sie sehen wollen.

2. Kennen Sie Ihre Werte

Wissen Sie, wie hoch Ihr PEth zu Beginn des Programms war? Wie Ihr GGT jetzt ist? Wie hoch der MCV noch ist und warum? Wer seine eigenen Werte kennen und erklären kann, wirkt informiert und glaubwürdig.

3. Nehmen Sie Medikamenten-Liste mit

Welche Medikamente nehmen Sie aktuell? Mit Dosierung. Der Arzt fragt danach.

4. Schlafen Sie ausreichend vor dem Termin

Übermüdung erhöht Blutdruck und kann neurologische Tests beeinflussen.

5. Trinken Sie keinen Alkohol in den Tagen vor dem Termin

Das scheint selbstverständlich. Ist es nicht immer.

Fallstudie: Dieter H., 60 Jahre, Pensionär

Dieter war nervös vor der Untersuchung. Nicht wegen der Laborwerte — die stimmten. Sondern weil er nicht wusste, was der Arzt tun würde.

Der Arzt war sachlich, ruhig. Er fragte nach dem letzten Konsum, nach dem Verlauf, nach aktuellen Beschwerden. Dann die körperliche Untersuchung: Blutdruck etwas erhöht (170/95), leichter Tremor der Hände beim Finger-Nase-Test.

Der Arzt fragte: "Haben Sie häufig erhöhten Blutdruck?"

Dieter: "Ja, schon länger — mein Hausarzt hat das im Blick."

"Nehmen Sie Blutdruckmittel?"

"Nein, noch nicht."

Der Arzt notierte: Arterielle Hypertonie, unklar ob substanzvermittelt oder primär. Zittern mild, kein Hinweis auf akuten Entzug.

Im Gesamtgutachten war das kein Problem — weil Dieters Blutdruck durch Hausarzt-Befund erklärt war und der Tremor mild war. Aber hätte Dieter den Bluthochdruck nicht erwähnt, hätte der medizinische Befund unerklärte Widersprüche erzeugt.

Das Gutachten war positiv.

Was nach der Untersuchung passiert

Der Arztbefund wird dem Psychologen übergeben — noch am selben Tag. Das Gesamtgutachten integriert beide Perspektiven. Widersprüche zwischen medizinischem Befund und psychologischem Gespräch werden explizit benannt.

Ein gutes medizinisches Bild allein reicht nicht. Und ein gutes psychologisches Gespräch allein auch nicht. Beides muss zusammenpassen.

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